Amphibien an der Kommunalstrasse zwischen Parsteinsee OT Parstein und Brodowin OT Pehlitz

Information zu Amphibienmonotorig und Amphibienbetreuung

Unterstützt von:
Untere Naturschutzbehörde Landkreis Barnim
Biospärenreservat Schorfheide Chorin
Landesumweltamt Brandenburg Naturschutzstation Rhinlich

Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea)
am Parsteinersee Juni 2003

Gestaltet von:Johannes Giebermann (Student der FH Eberswalde)
September 2003 Alle Photos entstanden April bis Juli 2003
am Parsteinsee
Fürs Internet überarbeitet durch: Pieper Computer Service
 

Situation im Strassenbereich

 

 

Bild 1: Blick von der Straße auf ein wichtiges Amphibienlaichgewässer in Höhe des Campingplatzes Parsteinersee.
Bild 2: Teilabschnitte der Strasse sind aus Kopfsteinpflaster

Die Kommunalstrasse zwischen Parsteinsee OT Parstein  und  Brodowin OT Pehlitz verläuft durch ein landschaftlich reizvolles Gebiet. Der Artenreichtum an Amphibien im Umfeld der Strasse ist für Brandenburg und darüber hinaus außer- gewöhnlich. Alle Amphibien sind in ihrem Bestand gefährdet und stehen deshalb auf der Roten Liste der bedrohten Arten von Brandenburg und Deutschland. Rotbauchunke, Laubfrosch und Kammmolch sind auch europaweit bedroht. Diese Arten kommen im Umfeld der Strasse in besonders großen Beständen vor. Dies ist in erster Linie auf den Gewässerreichtum und die extensive Forst- und Landwirtschaft im Einzugsbereich der Strasse zurückzuführen., die gute Lebensbedingungen für die Amphibien bieten. Insgesamt wurden bisher 12 Amphibien- und Reptilienarten (Ringelnatter, Blindschleiche, Wald- und Zaunechse) nachgewiesen. Anlass für ein Amphibienmonotoring war der Ausbau der Strasse im Jahr 2000. Zuvor hatte die Strasse den Charakter eines schlechten Feldweges. Infolge des Ausbaus nahm die Verkehrsdichte stark zu und aufgrund des mittlerweile glatten Fahrbahnbelages wird mit wesentlich höheren Geschwindigkeiten gefahren. Beide Faktoren führten zu einem außergewöhnlich hohen Verlust an Amphibien auf der Ausbaustrecke. Bei den Amphibien waren gravierende Bestandseinbrüche zu erwarten. Um diesem Trend entgegen zu wirken, wurde schnellstmöglich Schutzmaßnahmen eingeleitet. 

 

Artenreichtum im Strassenbereich

(alle genannten Arten kommen am Parsteinersee vor)

 

 

 

Amphibien in einer Eimerfalle (27.04.2003)

Deutscher
Name

Wissenschaftlicher
Name

Rote Liste
Brandenburg

Fallenfänge
Frühjahr 03*

Kammmolch

Triturus eristatus

2

495

Teichmolch

Triturus vulgaris

 

398

Rotbauchunke

Bombina bombina

1

504

Knoblauchkröte

Pelotes fuscus

3

199

Erdkröte

Bufo bufo

3

517

Wechselkröte

Bufo viridis

2

2

Laubfrosch

Hyla arborea

1

93**

Grasfrosch

Rana temporaria

3

 

Moorfrosch

Rana arvalis

2

 

Seefrosch

Rana ridibunda

2

 

Teichfrosch

Rana kl. esculenta

 

2083

Wasserfrosch

Rana lessonae

2

 

 

Amphibien sind bedroht:

1 = vom Aussterben bedroht. 2 = strark gefährdet. 3 = gefährdet.*Amphibienfunde auf einer Zaunstrecke von 1150m. **für die Bestandserfassung ungeeignet, da der Laubfrosch den Fangeimer selbständig verlassen kann; es sind mehr Laubfrösche zu vermuten.

Schutzmaßnahmen
(an der Kommunalstrasse)

1: Strassensperrung (nachts von 20:00 bis 5:00 Uhr)
An der Strasse, südlich des Parsteinsees, werden im Frühjahr und Herbst von 20:00 bis 5:00 Uhr die Schranken für maximal 6 Wochen geschlossen, weil viele Amphibien ihre Hauptaktivität nachts haben und in diesem Zeitraum auch die größten Verluste festgestellt wurden.

 

 

Schranke im Bereich des Campingplatzes Parsteinersee

 

2: Mobile Amphibienschutzzäune und stationäre Leiteinrichtung

Neben der nächtlichen Strassensperrung wurden mobile Amphibienschutzzäune aus Folie errichtet. Diese sollen die derzeit bestehenden 400m stationärer Leiteinrichtung aus Beton ergänzen. Ein Ausbau der stationären Leiteinrichtung ist geplant, weil diese - wie in einer Untersuchung nachgewiesen - den effektivsten Schutz darstellt.

 

 Teilabschnitte der Strasse sind aus Kopfsteinpflaster 

 

 

3. Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h

Untersuchungen ergaben, dass bei einer Fahrtgeschwingigkeit   von 30 km/h wesentlich weniger Amphibien sterben. Bei höheren
Geschwindigkeiten erfaßt eine vom Fahrzeug erzeugte Luftdruckwelle die Tiere und schleudert sie gegen den
Unterboden des Fahrzeuges. In erster Linie ist die Geschwindigkeitsbegrenzung aber zur Sicherheit des
Menschen da.  Der Strassenabschnitt ist nur einspurig ausgelegt und besitzt mehrere unübersichtliche Kurven. 

 

  

Die stationäre Leiteinrichtung aus Beton ist mit Tunneln versehen, damit die Amphibien auf die andere Strassenseite wechseln können.

 

Amphibienmonotoring
(an der Kommunalstrasse)

Insgesamt wurden bei Zählungen im Frühjahr 2003 an der Straße von März bis Ende Mai 9455 Amphibien registriert. Bei Untersuchungen wurden auf einem Strassenabschnitt von ca. 2,2 km in vergleichbaren Zeiträumen folgende Zahlen ermittelt.

Herbst 2002: 2202 verkehrstote Amphibien
Frühjahr 2003: 357 verkehrstote Amphibien
Die Verluste sind im Herbst naturgemäß höher, da an den Wanderungen in die Winterquartiere auch mehr Jungtiere teilnehmen. Ganzjährig, wurde im Jahr 2003 die Schutzmaßnahmen intensiviert und weit mehr Folienzäune als in den  Vorjahren aufgestellt.

 

 

Fahrzeugaufkommen


Die Verkehrszahlen schwanken stark. Tagsüber wurden wesentlich mehr Fahrzeuge gezählt als nachts. Es ergaben sich im Frühjahr 2003 Werte von ca. 330/24 Stunden. In den Spitzenzeiten der Hauptsaison (Juli/August) wurden 662 Fahrzeuge/24 Stunden erfasst. Vergleiche der Verkehrszählung belegen einen starken Anstieg des Fahrzeugaufkommens im Bereich der Kommumalstrasse zwischen Parsteinsee OT Parstein und Brodowin OT Pehlitz seit 2000. Autofahrer werden Amphibien auf der Straße wohl kaum wahrnehmen, weil letztere vor allem nachts oder bei Regenwetter, wenn schlechte Sichtverhältnisse herrschen, im Strassenbereich aktiv sind. Außerdem ist z.B. der Laubfrosch ausgewachsen maximal 5 cm groß. Die Jungtiere sind in der Regel kaum größer als 1 cm und somit vom Auto aus nicht zu erkennen.

 

Ergebnisse

(Auswertung von Untersuchungsergebnissen)

Die seit 2000 durchgeführten Untersuchungen belegen eindeitig, dass der Fahrzeugverkehr auf der Kommunalstrasse die Amphibien nicht nur während der Hauptwanderzeit gefährdet. Die Strasse erstreckt sich mitten durch deren Ganzjahreslebensraum. Immer wieder wurden diffuse Wanderungen ohne erkennbare Richtung festgestellt. Sowohl zur Fortpflanzung als auch Erreichen der Winterquatiere, aber eben auch zur Nahrungsaufnahme überqueren die Amphibien die Straße. In den Sommermonaten, während der Hauptsaison auf den Campinplätzen, wurden vor allem Jungtiere in sehr hohen Zahlen registriert.

Wasserfrosch im Strassenbereich - Einfahrten verhindern eine lückenlosen Schutz der Amphibien, weil dort keine Zäune aufgebaut werden können.

 

Bisher effektivste Schutzmaßnahmen:

1. Tempo 30 km/h für alle Autofahrer
2. Nachtfahrverbot im Frühjahr und Herbst
3. Die stationäre Amphibienleiteinrichtug aus Beton in Kombination mit den Tunneln.
Die Ergebnisse zeigen deutlich die hohe Wirksamkeit der stationären Leiteinrichtung.



Nur gemeinsames Handeln von Tourismus, Ortsansässigen, der Gemeinde Parsteinsee, Oderberg, Brodowin und dem Naturschutz kann ein Fortbestehen aller Arten sicherstellen. die einziartige Flora und Fauna der Region ist es allemal wert sich dafür einzusetzen.